Neues Palais e.V.

Die Kleinkunstbühne wurde 1984 im Haus und unter dem Namen "Palais Schrottenberg e.V." in der Kasernstraße Bamberg gegründet und bespielte dort mehr als zehn Jahre die Räume. Als das Haus umgebaut wurde, fand der Namenswechsel zu "Neues Palais" statt und damit verbunden der Wechsel der Spielstätte in die Kupfer-Mohrenwitzfabrik, in der früher Nähseide produziert wurde.

Mit zwei Auszeichnungen wurde dieses Engagement bereits gewürdigt:

  • Berganzapreis des Bamberger Kunstvereines
  • ETA-Hoffmann-Förderpreis der Stadt Bamberg

In Zukunft liegt der Schwerpunkt des Neuen Palais auf den Bamberger Gitarrentagen, die in unterschiedlichen Räumen, die die schöne Stadt Bamberg bietet, stattfinden werden. Natürlich jeweils passend ausgesucht zu den Stilrichtungen, die durch die Konzerte bestimmt werden. Die "Bamberger Gitarrentage" stellen schon seit 1995 jährlich das musikalische Highlight des Vereines dar. Hierbei unterstützen die beiden Bamberger Gitarristen Rainer Brunn und Gernot Hammrich die Veranstalter aufs Trefflichste. Besonderer Wert wird bei der Auswahl der einzelnen Konzertreihen auf den Facettenreichtum gelegt. So wechselt sich Klassik mit Pop, Jazz mit Blues und Flamenco ab, und es treten neben den Lokalmatadoren internationale Größen auf, wie beispielsweise Alvaro Pierri, Roberto Aussel, Jacques Stotzem, Aniello Desiderio und Roger Hubbard.

Der Verein besteht aus ca. 100 Mitgliedern, davon sind etwa 15 aktiv an der Gestaltung und der Organisation der Veranstaltungen beteiligt. Wir agieren mit Unterstützung der Weltkulturerbestiftung Bamberg und finanzieren uns desweiteren durch Mitgliedsbeiträge und Spenden.

Interview - Gottfried Pelnasch, Redakteur der Tageszeitung Fränkischer Tag im Gespräch mit Petra Schwarz

Anlass: Die Aufgabe der Räume in der Luitpoldstraße 40 a, im Februar 2010.

Er schmückt sich mit dem Berganzapreis des Kunstvereins, die Stadt verneigte sich mit dem E.T.A.-Hoffmann-Förderpreis: Der 1984 in der Kasernstraße unter dem Namen „Palais Schrottenberg” gegründete Kleinkunstverein genießt hohes Ansehen bei Kulturschaffenden wie Publikum. 1998 zogen die Mitglieder – nunmehr unter der Bezeichnung „Neues Palais“ – in das ehemalige Kupfer-Mohrenwitz-Fabrikgebäude an der Luitpoldstraße um und richteten sich in den dort angemieteten Räumen eine schmucke Spielstätte ein für Konzerte, Theateraufführungen, Lesungen, Vorträge und andere Events. Der niveauvolle Mix verschiedenster Stilrichtungen sorgte für viel Begeisterung bei den Besuchern.

Doch das ändert sich jetzt grundlegend: Mit einem bunten „Kehraus“ verabschiedete sich das „Neue Palais“ am vergangenen Wochenende von seiner langjährigen Stammadresse und will künftig ohne eine solche seine kulturellen Kreise ziehen. Über die Beweggründe und die künftigen Pläne unterhielt sich unsere Zeitung mit der Vereinsvorsitzenden Petra Schwarz.

Gottfried Pelnasch: Was bewog den Verein zur Aufgabe seiner Räumlichkeiten?

Petra Schwarz: Die Verwaltung des Saales, den wir auch untervermietet haben an verschiedene Organisationen und Vereine wie den Deutsch Französischen Club, den Deutsch Griechischen Verein oder die Tibet Initiative gestaltete sich als zu aufwendig. Von der Schlüsselübergabe bis zur Abnahme nach den Veranstaltungen, die Bestuhlung, die Bühnenvariationen – es war unendlich viel Zeit nötig, um Raum, Termine und Wünsche zu koordinieren. Für ein reines Ehrenamt einfach zu viel. Das alleine wäre schon eine Halbtagsstelle gewesen, die natürlich keiner bezahlen kann. Was aus den Räumen wird, kann der Vermieter bisher übrigens noch nicht sagen.

Gottfried Pelnasch: Schwelgen wir ein wenig in Reminiszenz. Welche Veranstaltungen im Neuen Palais in der Luitpoldstraße bleiben besonders in Erinnerung?

Petra Schwarz: Die Grande Ouverture zum Einzug am 7. März 1998 mit Unterstützung verschiedener Mitglieder der Bamberger Symphoniker von Kammermusik bis zum Jazz bleibt unvergessen. Das Faustival, schon im Herbst 1998, nahm einen besonderen Platz ein, hier kooperierten wir mit dem Marionettentheater Loose, hier las auch der unvergessene Hans Wollschläger. Weitere klasse Veranstaltungsreihen waren „Goethe zum Vergnügen“, „Das Shakespeare Wochenende“, „Die Bamberger Figurentheatertage“, „Die Bamberger Erzähltage“, die wir 2008 eingeführt haben, und natürlich die jährlich stattfindenden Bamberger Gitarrentage. 2004 startete das „Forum junges Palais“, welches jungen Künstlern aller Couleur eine Bühne bot. Von Ausstellungen über Konzerte bis zu Theater wurde alles gegeben. Herrliche Bilder fanden den Weg zu Vernissagen im Palais. Waltraud Scheidel, Manuela Gottfried, Tagoror von Herbert Grimm, Gino Martori aus dem Veneto und auch Rosa Brunner mit ihren erotischen Steinarbeiten waren Highlights.

Gottfried Pelnasch: Nun hat der Verein also keine feste Adresse mehr. Trauert man einem solchen Veranstaltungsort nicht nach?

Petra Schwarz: Hier gibt es natürlich ein lachendes und ein weinendes Auge. Das kreative Wohnzimmer wird uns erst einmal fehlen. Unsere Ideen und Absprachen werden ihren Platz in Zukunft jedoch im Privaten finden. Da wird gemeinsam gekocht, geschmaust und nachgedacht. Das ist doch auch eine schöne Option. Ich freue mich auf den Neuanfang. So wie sich die Dinge in unserer Stadt gestalten, ist das allemal eine kluge Entscheidung. Es zeichnen sich so viele neue Spielorte ab, es wird in Bamberg unglaublich viel an Kunst und Kleinkunst produziert, da wollen wir künftig lieber punktueller und qualitativ hochwertiger arbeiten, als uns mit zusätzlichen Aufgaben zu verzetteln.

Gottfried Pelnasch: Das klingt tatsächlich nicht nach Wehmut.

Petra Schwarz: Wir brechen gut gelaunt auf zu neuen Ufern. Das ist spannend und macht neugierig auf das, was kommt. Wir hoffen, mit unserem Engagement weiter den Nerv unserer Mitglieder und Förderer zu treffen und freuen uns auf viele Perlen an Veranstaltungen, mit denen wir die Stadt beleben und mit Sicherheit auch in Zukunft ein Pendant darstellen zu dem, was es schon gibt.

Gottfried Pelnasch: Und welche konkreten Pläne gibt es für 2010?

Petra Schwarz: Wir werden den Schwerpunkt weiterhin auf ausgefallene und hochwertige Veranstaltungen setzen, diese jedoch zum Teil neu gestalten. So wollen wir die Gitarrentage wieder für ein größeres Publikum öffnen, will heißen auch größere Räume wie das Theater oder die Harmonie dafür nutzen. Daneben ist eine engere Kooperation mit den Bamberger Clubs angedacht, so bieten wir zum Beispiel im Rahmen der 16. Bamberger Gitarrentage am 4. Dezember im Jazzclub ein tolles Blueskonzert mit der Acoustic Blues Company an und versuchen das Duo Melis für unser Festival zu gewinnen. Am 25. September veranstalten wir im Spiegelsaal der Harmonie ein typisches Palais-Konzert mit der famosen Songpoetin Cristin Claas und ihrer Band. Für Eingeweihte und Aktive sind weiterhin unsere Exkursionen, in diesem Jahr ins Klimahaus und das Deutsche Auswanderermuseum nach Bremerhaven, tolle Unternehmungen.

Gottfried Pelnasch: Was könnte Interessierte bewegen, Mitglied im Verein „Neues Palais“ zu werden?

Petra Schwarz: Wir sind ein kleiner feiner Club mit rund hundert Mitgliedern, mit spezifischem Interesse und einem extrem hohen Engagement, sowohl kulturell als auch zwischenmenschlich. Das grenzt natürlich auch die Anzahl ein, denn hier bei uns ist Zupacken genauso gefragt, wie sich Zeit nehmen für die Dinge. Gerne nehmen wir Interessierte in unseren Kreis auf. Einfach über info(at)palais-bamberg.de eine mail absetzen und schon sind wir im Dialog.

Wir werden gefördert von:

Bamberger Gitarrentage 2011: 05.11. - 26.11.2011
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